Kunststoffrecycling gewinnt in Polen an Fahrt
- 15.01.2008 

Polens Kunststoffrecycling-Betriebe müssen ab 2007 ihre Kapazitäten erweitern. Davon geht die Branchensektion im Chemieverband PIPC aus. Eine relevante EU-Direktive vom Februar 2004 sowie gestiegene Weltmarktpreise auf Rohöl beschleunigen insbesondere die Werkstoffumwandlung von Altkunststoffen in Granulat. Engpässe machen sich bei der Erfassung und Selektion gebrauchter Kunststoffe, darunter Verpackungen, bemerkbar.

Polnische Unternehmen für das Kunststoffrecykling entwickeln sich äußerst dynamisch. Gleichzeitig herrscht in der Branche eine hohe Heterogenität. Für deutsche Verwertungsunternehmen, die an einer Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeit nach Polen interessiert sind, liegen daher Kooperationen oder Übernahmen örtlicher Firmen förmlich auf der Hand. Hilfestellungen bei der Suche eines geeigneten polnischen Unternehmens für diese Zwecke bieten neben der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer ( www.ihk.pl) u.a. die Internetportale http://www.sprzedambiznes.pl bzw. http://www.wojtarowicz.com .
Einen gewissen Engpass stellt die regional völlig unterschiedlich entwickelte Infrastruktur zum Einsammeln und Trennen von Kunststoffen aus dem Haushaltsabfall dar. Hier besteht hoher Investitionsbedarf. Für eine Stabilisierung der Recyclingbranche sorgen verschiedene EU-Direktiven, die alle Mitgliedsländer zu einer rationalen Abfallverwertung verpflichtet. Dazu müssen 60% aller eingeführten oder produzierten Verpackungen spätestens 2008 einer Wiederverwertung zugeführt werden, darunter 22,5% Kunststoffbehältnisse, PET-Flaschen, Folien etc.

Polen unterstreicht bei den offiziellen Gesprächen mit der EU die hohen Kosten für den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur zur Abfallverwertung und die unzureichenden Erfahrungen bei der Verwertung von Verpackungen. Das polnische System kostete 2006 schätzungsweise 0,14 Euro pro Kopf, während sich die entsprechenden Kosten in Großbritannien auf 2,90 Euro und in Deutschland auf 22,60 Euro belaufen.

Das Umweltressort in Warschau rechnet daher mit einem Kostenanstieg für die stoffliche Erfassung und Verwertung um den Faktor 20, damit die EU-Zielvorgaben für 2007 erfüllt werden können, und danach nochmals um den Faktor 6 bis 8, um wiederum die neuen Zielvorgaben zu erreichen. Die jährlichen Investitionskosten werden auf 51 Mio. Euro für 2004 bis 2006, auf 68 Mio. Euro für 2007 bis 2010 und auf 51 Mio. Euro für 2010 bis 2014 geschätzt. Davon würden 36% für die Modernisierung der Recyclinganlagen benötigt, 30% für den Ausbau der Sortieranlagen und 34% für die getrennte Sammlung.

Wegen der Größe der Aufgabe hat die EU die Übergangsfrist für Polen bis 2014 verlängert, doch wäre dies im Bereich Kunststoffverwertung nicht nötig gewesen, wie Rekopol ( www.rekpol.pl), eine durch verschiedene Verwertungsfirmen gegründete non-profit Organisation, findet. Wie anhand der Statistik festzustellen sei, wurde die für 2014 geforderte Verwertungsrate bei Kunststoffen bereits 2004 mit 22,41% so gut wie erfüllt. Trotzdem muss die Recycling-Kapazität ausgebaut werden, da Kunststoffverbrauch und damit die zu verwertende Menge an Altmaterial bis dahin stark ansteigen sollen.

Ebenfalls hat eine technologische Anpassung in den Verwertungsunternehmen stattzufinden. Gemäß EU-Direktiven kann der Verwertungsquote nur das sog. werkstoffliche Recycling zugerechnet werden, wogegen das rohstoffliche bzw. chemische unberücksichtigt bleiben muss. Bei Technologien zur werkstofflichen Verwertung besteht in Polens Unternehmen ein teilweise erheblicher Nachrüstbedarf. Dazu gehören Verfahren zum Sortieren, Waschen und Granulieren sowie Extruder.

Zur besseren werkstofflichen Verwertung von Kunststoffabfällen stehen die Recyclingfirmen ständigen im Kontakt mit den Kunststoffproduzenten. Letztere sollen möglichst wenige chemische Zusatzstoffe ihren Kunststoffen beigeben, verschiedene Kunststoffarten in Produkten nicht miteinander verschichten und den Anteil von Klebemitteln und Lösungsstoffen gering halten oder auf sie zu verzichten. Dies soll einen hohen Reinheitsgrad des Rohstoffes wahren und so das Recycling vereinfachen.

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